Fotografische Sammlung

Pfingsten 2016 eröffnete die Fotografische Sammlung – Schloss Kummerow und fügt sich in das Sanierungskonzept des Herrenhauses inhaltlich ein. Der allgemeine Zeitbezug des Mediums Fotografie trifft auf die behutsame Wiederherstellung des historisch architektonischen Bestands. So präsentiert sich die Sammlung nicht in den üblich hergerichteten weißen Räumen, sondern steht im Dialog mit den absichtlich erhaltenen Spuren der Vergangenheit des Hauses und seiner Geschichte.

Im Bestand der Fotografischen Sammlung – Schloss Kummerow finden sich Kunstwerke aus der Privatsammlung von Torsten Kunert. Das Konvolut gehört zu den führenden fotografischen Privatsammlungen in Deutschland und wird den Grundstock für Dauer- und Wechselausstellungen auf Schloss Kummerow bilden. Der Schwerpunkt der Bestände liegt im Zeitraum ab dem Zweiten Weltkrieg bis heute und wird durch neue Positionen der Fotografie ständig erweitert. Dank einer konstanten Ankaufspolitik kamen seit den 1990er Jahren Originale international bekannter Fotografen in die Sammlung.

Das Herzstück der Bestände bilden Fotografien, die von heute renommierten Vertretern der Ostfotografie aufgenommen wurden. Sie dokumentieren vergangene und nachwirkende Lebenswelten der Menschen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Eine Publikumsattraktion ist die Dichte großformatiger Werke, die dem Schloss mit seinen über 3.500 Quadratmetern seine einst gepriesene Ausstattung mit Gobelins zurückübereignet. Eine Erweiterung der Ausstellungssituation mit Multimedia-Räumen wird die Präsentation zeitbasierter Werke wie Film und Video ermöglichen.

Die Vision für die Ausstellung folgt der Vorliebe des Sammlers für die visuelle Kraft von großformatigen Werken, die der Präsentation in Privaträumen entwachsen sind. ‘Because the Night’ von Richard Mosse mit seinen über 5 Metern, Michael Weselys 6 Meter raumeinnehmendes Seerosenbild, Werner Mahlers umfangreiche Chronologie einer Abiturklasse seit 1977 und Adrian Sauers Museumsbild ‘16.777.216 Farben’ mit einer Weite von über 4,7 Metern bilden die Eckpfeiler der Ausstellung.

Die verfremdete Landschaft von Mosse stammt aus der Serie ‘Infra’ und zeigt den weitläufigen Blick in eine Hügelkette von irrealer Schönheit. Wir sehen direkt in eine vom Bürgerkrieg betroffenen Kongolesische Hügelkette, deren Farben durch die Verwendung eines Infrarotfilms von grün zu pink ausgetauscht sind. Wenn Mosses Thema das unmögliche Kriegsbild darstellt, so betrachten wir mit Weselys Seerosen durch die Langzeitbelichtung das Betrachten selbst. Sauers Hybrid aus Malerei und Fotografie steht im selben Stockwerk Werner Mahlers Studie einer Abiturklasse gegenüber, deren Schüler bis heute alle fünf Jahre einzeln portraitiert wurden, um ihre persönliche Chronologie über die Wende bis ins Jetzt weiterzuführen.

Die Spuren der Zeitläufe und die Zeit selbst sind in allen Exponaten der Ausstellung ein durchgängiges Motiv. Dabei berührt das Thema der Fotografien auch die Lebenswelten einer heutigen Gesellschaft, die der Mystifizierung ihrer Abbildungen anhängt. Dafür steht auch Thomas Demands und Viktoria Binschtoks Umgang mit den Vervielfältigung und Wiederholung von emotionalen Abbildungen.

KÜNSTLER

Marina Abramović, Nobuyoshi Araki, Thomas Bangsted, Fiona Banner, Peter Beard, Sybille Bergemann, Viktoria Binschtok, Thorsten Brinkmann, Daniele Buetti, Martin Damman, Thomas Demand, Arno Fischer, Günther Förg, Maike Freess, Andreas Gursky, Harald Hauswald, Candida Höfer, Sabine Hornig, Clemens Krauss, Ute und Werner Mahler, Björn Melhus, Andreas Mühe, Helmut Newton, Tatsumi Orimoto, Helga Paris, Nira Pereg, Bettina Rheims, Thomas Ruff, Sebastiao Salgado, Adrian Sauer, Martin Schöller, Sarah Schönfeld, Gundula Schulze Eldowy, Thomas Struth, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Miroslav Tichy, Ulay, Mariana Vassileva, Michael Wesely, Siegfried Wittenburg, Miwa Yanagi und viele andere.

Eberhard Göschel

Malerei, Grafik und Skulptur
13. – 20.09.2015

Schloss Kummerow – Dorfstraße 114 – 17139 Kummerow
Pressevorbesichtung am 12.09.2015 ab 15 Uhr

Mit rund 100 Werken aus allen Schaffensphasen bespielt Eberhard Göschel Schloss Kummerow in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Ausstellung bietet einen profunden Einblick in sein Oeuvre, das er über die letzten fünf Jahrzehnte entwickelt hat und das einzigartig in der bundesdeutschen Kunstlandschaft ist. Seine reduzierte Farbpalette ist wie ein Markenzeichen für sein Werk, das in der DDR von Privatsammlern unterstützt wurde, doch bis heute einem breiteren bundesdeutschen Publikum wenig bekannt ist. Göschel galt als konsequenter System-Verweigerer in der DDR, der um künstlerische Freiräume kämpfte und hierfür verfolgt, bespitzelt und drangsaliert wurde. „In kontrastarmer Farbigkeit entfaltet sich, sensibel und erfindungsreich, eine freie Gestik, der ihr Entstehungsort allenfalls auf den dritten Blick anzusehen ist“, schreibt der Spiegel 1994 anlässlich seiner Ausstellung in der Dresdner Gemäldegalerie, die erste umfassende Präsentation nach der Wende.

In einer Zeit, die von Wiederentdeckungen in der Kunst geprägt ist, gilt es das Werk von Eberhard Göschel heute neu zu betrachten, einzuordnen und zu bewerten, das in seiner selbst auferlegten Reduktion einen schier unerschöpflichen Kosmos an künstlerischen Möglichkeiten und Handlungsräumen erobert.

Eberhard Göschel, 1943 in Bubenreuth geboren, studierte von 1964 bis 1969 Malerei an der Hochschule für bildende Künste Dresden. Von 1974 bis 1978 leitete er die Arbeitsgruppe Leonhardi-Museum Dresden und graduierte 1980 als Meisterschüler an der Akademie der Künste der DDR bei Theo Balden. Göschel lebt und arbeitet in Dresden und Fürstenau.

Schloss Kummerow
Das im 18. Jahrhundert erbaute Barockschloss Kummerow wird bis Frühjahr 2016 aufwendig saniert, um dann eine private Fotografiesammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Ausstellung von Eberhard Göschel bespielt das Schloss in einer Zwischenphase der Sanierung.